Stärkung der Seckbacher Ortsmitte ? gegen den Bau des geplanten Supermarkts

Stadtteil

Argumente Seckbacher Bürger/innen, Juli 2011

Seckbacher Bürger und Bürgerinnen sind empört über eine von den städtischen Gremien beschlossene Baumaßnahme in Seckbach, konkret über den Bau eines Supermarktes an der Wilhelmshöher Straße.

Vorab ein paar allgemeine Anmerkungen zu unserem Stadtteil:
Mit unseren rund 10.000 Einwohnern sind wir ein bescheiden kleiner Stadtteil, gerade einmal etwa 1,5 % aller Frankfurter. Wir hoffen aber, dass wir im Römer dennoch nicht als eine vernachlässigbare Größe angesehen werden.

Obwohl bereits seit 111 Jahren nicht mehr selbständige Landgemeinde, sondern Frankfurter Stadtteil, ist Seckbach auch heute noch eher dörflich geprägt. Die frühe Eingemeindung nach Frankfurt hat verhindert, dass sich hier ein größeres geschäftliches Zentrum oder gar ein kulturelles Zentrum bilden konnte. Gleichwohl haben wir in Seckbach so etwas wie eine über die Jahrhunderte gewachsene Ortsmitte. Es ist die Wilhelmshöher Straße im Abschnitt des historischen Kernbereichs von der ?Weed", also der Einmündung der Leonhardsgasse, der Lohrgasse und der Draisbornstraße bis etwa zur Zentgrafenschule und der gegenüber liegenden Marienkirche.

Auf dem genannten Teilabschnitt der Wilhelmshöher Straße gibt es zurzeit einen kleinen REWE-Markt, eine Sparkassenfiliale, eine Postagentur, eine Apotheke und weitere ca. 6-8 Ladengeschäfte, einige Dienstleistungs- und Handwerksbetriebe. Nicht viel, aber die Menschen in Seckbach sind dankbar, dass es so ist. Und sie sind stolz auf ihre, wenn auch bescheidene Ortsmitte, wie eigentlich jeder Ort besonderen Wert auf seine Ortsmitte legt und versucht, sie besonders zu bewahren und zu pflegen.

Jetzt steht in Seckbach die Vermarktung eines Grundstücks an, dessen Bebauung durch die ABG Holding erfolgen soll. Damit das möglichst lukrativ ist, soll dort, in ca. 1/2 km Entfernung von der Ortsmitte, ein großer Supermarkt gebaut werden. Es ist klar, dass mit diesem Markt der kleine REWE-Markt nicht weiter existieren kann. Da es unstreitig Abhängigkeiten zwischen diesem Markt und den anderen kleinen Ladengeschäften gibt, ist auch klar, dass diese keine Überlebenschance haben. Zu dieser Schlussfolgerung kam im Juni 2008 auch ein Gutachten, welches die Stadt Frankfurt in Auftrag gegeben hatte.

Letztendlich bedeutet dies, dass die Seckbacher Ortsmitte zu Grunde geht, verödet. Eine Folgenutzung wird es nicht geben. Dafür sorgt unter anderem schon eine Erhaltungssatzung, die den beschriebenen Bereich als Ensemble unter Denkmalschutz stellt. Damit wird, sehr zu unserer Freude, zwar unser dörflicher Charakter bewahrt, gleichzeitig sind aber Anpassungen bei solcher Art der Planung - wie jetzt vorgesehen - kaum möglich. Die Menschen in Seckbach verlieren nicht nur ihre Einkaufsmöglichkeit, sie verlieren auch ihre gewachsene Ortsmitte mit der sie sich identifizieren.

Der zuständige Ortsbeirat hat in richtiger Einschätzung der geschilderten Situation, aber auch wegen eines in der Atzelbergsiedlung - an dessen Rand das zu verkaufende Grundstück liegt - schon vorhandenen Supermarkts, einstimmig den Bau des neuen Supermarkts abgelehnt. Es ist also nicht etwa so, dass der Supermarkt für die Versorgung der Bevölkerung benötigt würde, es geht - wie schon erwähnt - einzig und allein um die Vermarktung eines Grundstücks. Das Votum des Ortsbeirats hält die Römermehrheit nicht davon ab, entgegen dem Bürgerwillen und in Verhöhnung des Ortsbeirats den Bau des Supermarkes zu beschließen. Wie das zu der verstärkten Bürgerbeteiligung passt, die insgesamt in der Republik und speziell auch im Römer propagiert wird, erschließt sich uns nicht.

Einem Zeitungsartikel zum Bau des Supermarktes konnten wir entnehmen, dass die Bürger damit beruhigt - man müsste besser sagen verdummt - werden sollen, als mit dem künftigen Investor vereinbart werden soll, den kleinen REWE-Markt weiter zu betreiben. Als ob ein privatwirtschaftliches Unternehmen in unserer marktwirtschaftlichen Ordnung jemals eine unwirtschaftlich gewordene Einrichtung dauerhaft weiter betreiben würde!

Der Beschluss der schwarz-grünen Stadtverordneten zeugt von wenig Sachkenntnis. Vermutlich wissen sie nichts von einer Erhaltungssatzung, vermutlich wissen sie auch nicht, dass die Wilhelmshöher Straße eine voll belastete Grundnetzstraße, die in Wirklichkeit von ihrer Dimension und Bebauung her allerdings nicht mehr als eine mittelalterliche Dorfstraße ist. Vermutlich haben sie auch nicht registriert, dass sich mit dem Bau des Supermarktes nach einem vorliegenden Gutachten auf dieser Straße weitere rund 1500 Fahrbewegungen pro Tag vollziehen werden. Aber so schlimm auch dies ist, es ist bei allen Nachteilen, die auf Seckbach zukommen, fast schon ein Randproblem.

Was das angesprochene Gutachten anbetrifft, sind wir erstaunt darüber, dass die Stadt mit Steuergeldern ein Gutachten über die Bebauung und Vermarktung eines Grundstückes in Auftrag gibt, das ihr gar nicht gehört. Für ein Gutachten zum Thema nachhaltige Versorgung der Seckbacher Bevölkerung ggf. unter gleichzeitiger Berücksichtigung stadtgestalterischer und denkmalschützerischer Aspekte hätten wir mehr Verständnis. Die Stadtplanung sollte sich des Themas einmal von der anderen Seite annehmen, zum Beispiel unter dem Gesichtspunkt, wie können wir Seckbachs Mitte attraktiver und schöner machen. Wir Seckbacher hätten da sicher eine Reihe guter Ideen, die wir gerne bereit sind einzubringen.

 
 

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