Bericht über meine Sommerwanderung vom 19.07. bis 23.07.2006
Prolog
Wenn Sie möchten, können Sie sich hier ein Video der Wanderung ansehen:

Als ich mich im April entschied, meinen diesjährigen Sommerurlaub mit einer Wanderung in meinem Wahlkreis zu beginnen, saß ich mit meinem Team im geheizten Büro im Paul-Löbe-Haus. Im Tiergarten hing noch kein Blatt an den Bäumen. Der Winter hatte Berlin fest im Griff. Keiner von uns ahnte damals, dass uns ein Jahrhundert-Sommer bevorstehen würde.
Ab Mitte Juni kamen mir gelegentlich leise Zweifel, ob eine Wanderung unter hochsommerlichen Bedingungen überhaupt auf Interesse stoßen würde. Als aber die Vorschläge für die Tagestouren von Staatsminister a. D. Karl Schneider (Präsident des deutschen Wanderverbandes) auf meinem Tisch lagen, wuchs die Vorfreude und die Hoffnung, doch einige Interessierte zum Mitwandern zu gewinnen.
Mittwoch, 19.07. Rund ums Oberwaldhaus
Am 19. Juli - dem bisher heißesten Tag des Jahres – traf ich an der Bushaltestelle Oberwaldhaus tatsächlich auf eine muntere Schar von 25 Frauen und Männern, die alle „wild entschlossen“ waren. Heike Hofmann, Landtagsabgeordnete des Landkreises Darmstadt-Dieburg, kam sogar mit Sohn samt Kinderwagen. Mein Team verteilte Schrittzähler und rote SPD-Kappen gegen die Sonne. Die meisten Mitwanderer waren gut gerüstet, mit Wasserflaschen, Sonnen – und Mückenschutz. So starteten wir „rund ums Oberwaldhaus“.
Glücklicherweise ging es vorwiegend über schattige Waldwege. Erstes Ziel war das Jagdschloss Kranichstein. Am Backhausteich erzählte Walter Jenicek, ein gut vorbereiteter Mitwanderer, der interessierten Gruppe einiges über das Schloss und seine ehemaligen Bewohner. Über den Baumlehrpfad ging es in Richtung Dianaburg, die wir dann allerdings – vermutlich wegen der intensiven und angeregten Gespräche – verpassten. Vorbei an der Grube Prinz von Hessen – in der viele Menschen badeten - wanderten wir zum Oberwaldhaus zurück, wo wir uns endlich unter schattigen Bäumen mit kühlen Getränken belohnten. 12 Kilometer für den ersten Tag - die ungewohnte Anstrengung spürte ich am Abend deutlich…
Donnerstag, 20.07.2006 Roßdorf von drei Seiten
Aber ich bekam keinen Muskelkater und war am 2. Wandertag um 14:00 Uhr wieder fit bei unserem Treffpunkt im Bessunger Forst.
Fünfzig Bürgerinnen und Bürger ließen sich an diesem 20. Juli von der sengenden Mittagshitze nicht abhalten und waren meiner Einladung gefolgt. Die Donnerstagstour stand unter dem Motto „Roßdorf von drei Seiten“. Neben zahlreichen Rossdörfern und ihrer Bürgermeisterin Christel Sprößler hatten sich auch Mitwanderer aus Traisa, Mühltal und Darmstadt eingefunden. Die sachkundige Führung übernahm dankenswerter Weise Revierförster Michael Menzel. Neben Wissenswertem über Wald- und Tierbestand lernten wir alle etwas über den Brennwert verschiedener Holzarten und über den Kotelettpfad.
Der steile Anstieg zum Rehkopf wurde durch eine schöne Aussicht und kühle Getränke belohnt. Unser Ziel, den Wingert der Familie Edling, hatten wir allerdings erst nach erneutem Ab- und Wiederaufstieg auf den Roßberg erreicht. Gerade noch rechtzeitig kamen wir bei der Weinlaube an, bevor ein kurzes, heftiges Gewitter mit starkem Regen einsetzte. Unter dem Laubendach konnte man das beeindruckende Naturschauspiel beobachten, verkostete drei verschiedenen Weinsorten und sprach über „Gott und die Welt“. Herr Edling erklärte uns Wissenswertes über diesen besonderen Roßdorfer Wein.
Freitag, 21.07.2006 Europäischer Fernwanderweg/E1
Am nächsten Morgen trafen 28 Mitwanderer am Vivarium ein. Karl Schneider hatte nicht nur die Strecke nach Ober-Ramstadt und Nieder-Modau vorgeschlagen, sondern übernahm an diesem Tag auch persönlich die Führung. Die Sonne schien - wie an den Tagen zuvor - mit unverminderter Kraft. Aber wir hatten zunächst mal eine schöne waldreiche Strecke zur Darmbachquelle vor uns.
Am Kuhfalltor – dem Tor nach Ober-Ramstadt - übernahm Bürgermeister Werner Schuchmann die Führung und leitete uns hinunter in die Gemeinde. Nach einer Mittagsrast in der Lichtenbergschänke Lautz – dort aß ich mein erstes Schnitzel mit Kochkäse! – zeigte uns Bernd Hartmann, Ehrenbürgermeister von Ober-Ramstadt, den Weg an der Modau entlang nach Nieder-Modau. In dem wunderschönen Biergarten des Darmstädter Hofs musste großer Durst gelöscht werden, allerdings waren alle zu matt, um auch noch die gute Küche zu probieren.
Samstag, 22.07.2006 Burgenweg
Am nächsten Tag stand der Burgenweg auf dem Programm. Als ich am Samstagmorgen an der Haltestelle Ludwigstrasse in Jugenheim ankam, staunte ich nicht schlecht: 30 Personen hatten sich zum Mitwandern entschieden, trotzdem es auch an diesem Tag 33°+ hatte und diese Tour auch in der Beschreibung schon als die „sportlichste“, mit vielen Steigungen angekündigt war. Mittlerweile konnte ich neben neuen Wanderfreunden auch schon einige bekannte Gesichter begrüßen. Karl Schneider war noch einmal „so frei“ und wir begannen mit dem Aufstieg zum Lufthansaschulungszentrum. Die „Fünfschwesterlinde“ bot einen von mehreren Anlässen, kurz zu verweilen und den kenntnisreichen Ausführungen und Anekdoten von Karl Schneider zu lauschen. Durch den Seeheimer Wald ging es immer bergauf bis zur Burg Frankenstein. Nach dem langen Anstieg bei hohen Temperaturen erwartete uns ein einzigartiger Ausblick, eine kurze Zwischenrast und das erste Gewitter an diesem Tag.
Nachdem uns Walter Jenicek im Burghof noch mit historischen Informationen zur Burg und zur Familie versorgt hatte, begann der Abstieg nach Eberstadt - begleitet von immer besorgteren Blicken zum Himmel, denn aus Südwesten zog eine tiefschwarze Wand heran. Aber in Anlehnung an ein bekanntes Sprichwort würde ich formulieren: „Wenn Engel zu Fuß gehen...“, denn wie ein Wunder hatte gerade der Letzte unserer Gruppe die Gaststätte „Stadt Heidelberg“ in Eberstadt erreicht, da brach das Unwetter los. Wir aber saßen im Trockenen und genossen das gute Essen bei „Gino“.
Sonntag, 23.07.2006 Brandauer Rundgang
Am Sonntagvormittag füllte sich rasch der Parkplatz vor dem Brandauer Rathaus. Der Bürgermeister von Brandau, Pit Schellhaas, staunte nicht schlecht: Wieder hatten 28 Frauen und Männer und ein Hund den Weg zum Startpunkt der letzten Wanderung gefunden. Fast familiär begrüßten sich die „alten Hasen“ und die neuen wurden schnell integriert. Der Wanderverband war hochkarätig vertreten: Außer Karl Schneider, der diesmal mit seiner Frau zum Vergnügen mitwanderte, war auch der Vorsitzende des Gesamtodenwaldclubs, Norbert Hofmann, gekommen.
Der Hauptwanderwart Manfried Hering übernahm die Führung von Brandau über die Modauquelle nach Neunkirchen. Neugierig schaute ich in Begleitung des Bürgermeisters und einigen Wanderfreunden dort beim Fest der Feuerwehr vorbei, danach machten wir Rast im „Grünen Baum“ und genossen das unvergleichliche Panorama von der Neunkirchner Höhe.
Die zweite Etappe führte über Lützelbach zurück nach Brandau. Im Haus am Mühlberg ließen wir – je nach Facon und persönlichen Vorlieben - bei Kaffee und Kuchen oder Weißbier, Äppelwoi und Kochkäs’ die Wandertage ausklingen und ich versuchte mein erstes Resümee nach insgesamt 5 Tagen Wandern, ca. 55 km Gehstrecke und etwa 80.000 Schritten:
1. Die Natur im Wahlkreis ist von besonderer Schönheit.
2. Beim Wandern kann man gut reden und gut zuhören.
3. Ich fühle mich erholt, obwohl ich jeden Abend kaputt war.
4. Die lockere Atmosphäre in jeder Wandergruppe war sehr angenehm.
5. Ich nehme aus vielen intensiven Gesprächen wichtige Informationen und
neue Impulse mit in meine tägliche Arbeit.
Epilog
Ich bedanke mich bei allen, die mitgekommen sind und noch einmal bei all jenen, die dafür gesorgt haben, dass wir uns beim ungezwungenen Plaudern nicht verliefen. Ich wünsche Ihnen und Euch weiterhin einen schönen Sommer.
Eine ausführliche Bildergalerie der einzelnen Tage finden Sie, bwz. findet Ihr an der folgenden Stelle:

